Antiquit�ten Kunsthandel in Berlin und Steinach Anja Ritter Kunsthandel

uerst dekoratives Lackkabinett

England, George I. (1714-1727)
frühes 18. Jahrhundert
schwarz-goldene Lackarbeiten
dekoriert mit ostasiatischen Figuren und Landschaften
Innenleben bestehend aus einem Arrangement aus 10 Schüben
auf der Rückseite gestempelt mit den Initialen „TE“

Unterteil später ergänzt


133 x 97 x 51 cm

 

Ostasiatische Lackkunst in England

Vermutlich gelangten schon im 16. Jahrhundert die ersten ostasiatischen Lackarbeiten nach England, dort fanden die begehrten Importe aus Fernost begeisterte Aufnahme, wie das bereits (1614) verzeichnete Nachlassinventar von Henry Howard, Earl of Northamton ( 1540 – 1614) zeigt, denn es listete nicht weniger als 12 Lackmöbel auf .

Seinen ersten Höhepunkt erreichte das Interesse an ostasiatischen Lackobjekten in den Jahren 1613 – 1623, in der Zeit des beginnenden Warenaustauschs zwischen England und Japan. Überwiegend handelte es sich dabei um Lackobjekte, wie die damals sehr gefragten Schatullen, Truhen und mit Schubfächern reich gegliederten Kabinettschränke, mit Goldlack und Perlmutteinlagen. Sogenannte Namban-Kabinette wurden in großer Zahl in exportorientierten Werkstätten in Kioto hergestellt.

Mit der Thronbesteigung Charles II. 1660 setzte sich in England die Mode für Ostasiatika ( und somit auch für Lackarbeiten ) anhaltend durch. Anstoß hierzu war höchstwahrscheinlich das mehrjährige Exil des Königs in Frankreich und vor allem Holland. Amsterdam war zur damaligen Zeit das Mekka des Ostasienhandels. Der konsequente Ausbau ihrer Stützpunkte, wie aber auch die skrupellose Piraterie fremder Schiffe hatten den Aufstieg der holländischen „Verreenigden Oostindischen Compagnie" (VOC) zur mächtigsten Handelsgesellschaft in Fernost ermöglicht.

Die Engländer führten überwiegend Tee, Seide, Porzellan und Lackarbeiten als Luxusartikel aus Fernost ein. Was die Lackarbeiten betrifft, waren unter den ostasiatischen Arbeiten die japanischen, aufgrund eingeschränkter Einfuhrmöglichkeiten, selten, sehr kostspielig und deshalb besonders begehrt. Charles Lockyer schreibt in seinem 1711 erschienenen „Account of the Trade in India“ bezüglich der unterschiedlichen fernöstlichen Lackarten: the finest comes from Jappan
Der japanische Lack genoss eine hohe Reputation.

Parallel zur wachsenden Einfuhr ostasiatischer Exportarbeiten entwickelte sich das englische Lackhandwerk so erfolgreich, dass schon Ende des 17. Jahrhunderts eine Gesellschaft - „The Patentees for Lacquering after the Manner of Japan“ - für die Abwicklung von Produktion und Verkauf gegründet wurde. Ein wichtiges Vorlagenbuch für die Lackmeister war das 1688 veröffentlichte „Treatise of Japaning and Varnishing“ von John Stalker und George Parker. Dieses wichtige Werkzeug für die Lackkünstler beinhaltetet 24 Folio-Kupfertafeln, auf denen sich eine Vielzahl floraler, figürlicher, szenischer und architektonischer Dekormotive zum Abpausen anboten. So lehnen sich auch etliche Motive des Lackdekors im Inneren, wie auch auf den Außenseiten unseres Möbels eng an die Stalkerschen Kupferstiche an.
Neben diesen Vorlagen hatten auch einige große Werkstätten eigens für sie tätige japanners angestellt, die durch ihre Kunstfertigkeit die von den cabinetmakern hergestellten Möbel veredelten.

Ausgehend von den aus Fernost importierten Lackkabinetten, mit deren reichen Ausstattung mit Schubfächern entwickelte sich das englische cabinet-on-stand zum dominieren Lackmöbel des späten 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts, wie auch unser Möbel ein Exempel eines solchen Möbeltypus ist.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schließlich erreichte die englische Lackkunst ihren Höhepunkt. Die farbigen Fassungen mit den exotischen Goldchinoiserien erfreuten sich auch am Hof so großer Beliebtheit, dass die meisten der für die königlichen Residenzen angefertigten Möbel mit Lack verziert waren. Sie trugen einem offensichtlichen ausgeprägten Bedürfnis nach lebendig farbiger Gestaltung des Interieurs Rechnung, das sich in der Herstellung ganzer Sets von japan work niederschlug.

Literatur: Monika Kopplin: „Europäische Lackkunst“. 1998
 


Ein Vergleichsmöbel befindet sich in den Ausstellungsräumen des Schloss Oranienburg bei Berlin.

 

 


Großansicht (als hochauflösendes PDF, ideal zum ausdrucken)

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