Antiquit�ten Kunsthandel in Berlin und Steinach Anja Ritter Kunsthandel

Ein Paar wunderschne Louis XV. Bergren, CLAUDE L. BURGAT

Paris, um 1750

von Claude Louis Burgat, jede gestempelt mit BURGAT,
Buchenholz

Provenienz: Madame Fanny Clavel, Villa Wenkenhof, Riehen, Schweiz

Museen: New York Metropolitan Museum, Paris Arts décoratifs, Paris Carnavalet

beide mit geschwungen gepolsterter Lehne, gepolsterten Armen und geschlängelten Zargenrahmen mit floralem, créme-seidenem Damastbezug,
kannelierter Lehnenrahmen mit Blattwerk und feinen geschnitzten Blüten,
auf geschwungenen, floral verzierten Beinen in Rollfüßen endend

Höhe : 85 cm, Breite : 75 cm

Von einem der einst gefragtesten Pariser Ebenisten des 18. Jahrhunderts, Claude Louis Burgat (1717 – nach 1782, Meister seit 1744), der sein Geschäft zuerst in der Rue de Cléry eröffnete und dann in die Rue Feydau in Paris ging. Seine Arbeiten hoben ihn durch außerordentliche Qualität aus dem Kreis der Vielzahl seiner Kollegen heraus. Sein eigenwilliges, ja fast kapriziöses Formenrepertoire ließen ihn zu einem der gesuchtesten Pariser Kunstschreiner werden. Er verstand es, Sitzmöbel zu kreieren, die den Capricen des Adels und der gehobenen Gesellschaft am idealsten entsprachen. Sie zierten die intimen und eleganten Salons der kleinen und großen Schlösser und Palais in Frankreich und ebenso das königliche Schloss von Stockholm, zu dessen Ausstattung Burgat beigetragen hat. Mit seinen Schöpfungen stand er an der höchsten Stufe der Entfaltung des Rokoko.

Gegen Ende seiner Karriere, zur Zeit als die Mode sich änderte, begann Burgat noch eine limitierte Anzahl von Stücken im sich neu herausbildenden klassizistischen Stil des Louis XVI. herzustellen. Er erlangte aber vor allem hohes Ansehen für die für ihn typischen, wunderschön geschnitzten und filigranen Louis XV. Stühle, was man auch an diesen besonders fein, mit dekorativen Details, geschnitzten Stühlen erkennen kann. Oft waren seine Stücke mit Granatapfelmotiven versehen, meist aber mit floralen Verzweigungen. Unser Stuhlpaar ist mit ihren weiten Sitzflächen und fein geschnitzten kannelierten Rahmen typisch für die Zeit des Louis XV., dekoriert mit Blumen und ausgeprägten Motiven und Formen. Zudem weisen die nach innen gerollten Füße auf eine für ihn charakteristische Arbeit hin.     
Exemplare seines Wirkens können in den besten öffentlichen Sammlungen, inklusive dem Museé des Arts Décoratifs, Paris, das eine Louis XV. Sitzgruppe besitzt, bestehend aus einem Canapé à Dossier und sechs Fauteuils à la Reine, ein jedes mit einem Buchenholzrahmen und geschnitzten Rosen, bestaunt werden. Ebenso besitzt das Musée de Carnavalet, Paris ein Chaise-longue von ihm und im Metropolitan Museum, New York (in der Linsky Collection) sind ein Paar Transitions (Louis XV./ Louis XVI.) Bergèren zu bewundern. Burgat arbeitete des weiteren für das Grande-Meuble National. Einer der Aufträge beinhaltete eine bedeutende Sitzgruppe bestehend aus acht Teilen, die in einer Pariser Auktion 1987 versteigert wurde. Insgesamt bestand diese Sitzgruppe aus zehn Fauteuils à la Reine, zwei kleinen Canapés, zwei Bergèren, zwei Stühlen und zwei Veilleusen, alle Stücken beschnitzt mit Granatäpfeln, Blumen und Blattwerk.


Unser wunderschönes Paar Bergèren stand einst in der berühmten Villa Wenkenhof, Riehen in der Nähe von Basel, in der Sammlung von Madame Fanny Clavel, geborene Respinger, Frau von Alexander Clavel (1881-1973). Die Clavels erwarben diese Villa aus dem 18. Jahrhundert und den dazugehörigen Parkkomplex im Jahr 1916. Von 1918 bis 1921 ließen sie den Architekten Henry Berthold von Fischer für sich arbeiten, um ihre Villa im Stil des Louis XIV. umzubauen. Weitere Veränderungen, wie das Anlegen eines Englischen Gartens, eine Innenreitfläche, Veränderungen der Pavillons, sowie eine neue Terasse folgten. Nach dem Tod Fanny Clavels 1967 wurden viele der exquisiten Einrichtungsgegenstände verkauft und 1969 wurden die Gebäude des Anwesens von der Stadtgemeinde als Stiftung erworben.
Das Vermögen der Clavels stammt hauptsächlich aus der chemischen Seidenfärbeindustrie, die von Alexanders Großvater, Alexander Clavel (1805-73) gegründet wurde. Durch seine
Heirat mit Louise Henriette Oswald 1840 übernahm er auch das Seidenfärbegeschäft. Er stieg daraufhin 1859 zum ersten und wichtigsten Produzenten der Anilin-Färbung in der Schweiz auf. Aufgrund von Problemen mit giftigen Schadstoffausstoßungen wechselte er zur Herstellung von Anilin und anderen Farben an den Rhein. 1873 verkaufte er sein Geschäft an Bindschedler und Busch. Sein Sohn Alexander (1847-1910) führte die Seidenfärbe-Industrie weiter und expandierte wie auch dessen Sohn, Fanny´s Ehemann, in weitere, größere Gebiete der chemischen Industrie.


Lit.: Kjellberg, P.: "Le mobilier français du XVIIIe siècle", Paris, 2008, S. 135


 


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