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"Das hohenzollerische Münzkabinett"

Das hohenzollerische Münzkabinett
- Ein hochfürstliches Möbel im Wandel der Geschichte -


Münzschrank
· Á trois corps ·
um 1750/ 60

Aufsatz- und Kommodenteil: Nussbaum, Birkenmaser,
Ahorn und Mooreiche auf Fichte furniert
Tabernakeltür: Ahorn, Padouk, grüngefärbte Weissbuche,
Buchsbaum und Nussbaum
außergewöhnlicher Verriegelungsmechanismus
Schnitzarbeiten in Nussbaum
feuervergoldete Bronzebeschläge

Maße: 184 x 195 x 80 cm

Provenienz:

Schloss Hohenzollern-Hechingen (die Fürstregenten von Hohenzollern-Hechingen)
Schloss Coucy-lès-Eppes (die Grafen von St. Vallier)

Wo sich Geschichtsträchtigkeit und künstlerische Fantasie in einem Möbel vereinigen, ist der Kenner und Liebhaber nicht weit. Ein Meisterstück wie, es heute nur noch in fränkischen und badischen Schlössern wiederzufinden ist, hat über eine Reise durch die deutsche, aber auch französische Geschichte seinen Weg in unsere Räume gefunden. Mit seiner ausgefallenen Formensprache und seiner überaus qualitätvollen Verarbeitung trägt es zur Aufwertung eines jeden Raumes bei. Die harmonisch anmutenden Schweifungen, gepaart mit der filigranen Marketeriearbeit aus erlesenen Holzarten, die vielseitigen Gebrauchsfunktionen, sowie die Darstellung des fürstlichen Hohenzollernwappens verleihen dem Möbel eine unverkennbare Persönlichkeit. Durch sein Alter und seine fesselnde Geschichte, aber auch durch seine mit der Zeit gewachsene, in die Tiefe gehende Patina, erhält dieser Münzschrank eine einzigartige Physiognomie, aus der sowohl Würde, als auch der Ausdruck anspruchsvoller Lebensform spricht.


Stilistische Betrachtungen


Der enorm geschwungene Korpus dieses Ausnahmemöbels aus zwei breiten, stark gegliederten Körpern ist dreiseitig konvex-konkav geschweift. Der für optische Genüsse mit feinem Diamantspitz marketierte Unterschrank besteht aus zwölf Schüben in vier Reihen und einer eingezogenen geschweiften Mitteltür. Er endet mit einem profiliertem Untergesims, das auf einem reich beschnitzten, passigen Zargensockel mit aus ihm erwachsenden Volutenfüßen ruht. Das schlankere, ebenfalls mehrfach geschwungene Oberteil, das analog zur unteren Abschlussschnitzerei in einer dem Rokoko verpflichteten Schnitzbekrönung endet, besteht ebenso aus mehreren Reihen von Schüben unterschiedlichster Größe, wovon die äußeren breiteren Schübe die Rautenmarketerie des Unterteils fortführen. Hinter der gewölbten Tabernakeltür in der Mitte, die vom hohenzollerischen Wappen auf großer Rocaillenkartusche geziert ist, befindet sich eine geheime Schiebewand, hinter welcher sich wiederum kleine Münzschübe befinden.


Die feinst ausgeführte Furnierung des Möbels aus Nussbaum, Birkenmaser, Ahorn und Mooreiche findet ihren Höhepunkt in den farbigen, diagonal verleimten Bandintarsien, in deren marketierten Füllungen der perspektivische Diamantspitz wunderbar zur Geltung kommt. Die Intarisierung der Tabernakeltür enthält zusätzlich edles Padouk, grüngefärbte Weissbuche und Buchsbaum. Für das Blindholz des Aufsatz- und Kommodenteils wurde Fichte verwendet.
Der Aufsatzschrank findet in der Qualität seiner Formgestaltung kaum seinesgleichen. Hinzu kommt der äußerst ungewöhnliche und sehr aufwendige Verriegelungsmechanismus, der alle Aufsatzschübe gleichzeitig verriegelt, was diesen Schrank für hohe geschäftliche Abwicklungen geradezu prädestiniert hat und Unbefugten den Zugang mit einem Griff verweigern konnte. Für die damalige Zeit ist solch ein Mechanismus als höchst spektakulär zu betrachten. Die originalen feuervergoldeten Bronzebeschläge und die bekrönten Schlüssel erheben den Wert des Schrankes zusätzlich auf fürstliche Weise.


Die stilistischen Betrachtungen lassen aufgrund des Formenduktus und der Stilelemente, vor allem hinsichtlich des Marketeriedekors und der Abschluss-beschnitzungen, auf eine mainfränkische Auftragsarbeit schließen, sodass wohl die Beziehungen des schönbornschen Fürstenhauses eine entscheidende Rolle gespielt haben müssen.
Die dynastischen Verknüpfungen des Fürstenhauses der Schönborns, zu nennen sind hier vor allem Lothar Franz und Friedrich Karl von Schönborn, mit ihren für das Barock und besonders das Rokoko ausschlaggebenden Baumaßnahmen, hatten starken Einfluss auf die südlicheren und südwestdeutschen Höfe, nicht zuletzt da die Schönborns ihre Ausstattungskünstler auch an andere Häuser weiterempfahlen, wie z.B. an den Herzog von Württemberg für den Schlossbau in Stuttgart oder dem Markgrafen von Baden für den Schlossbau von Karlsruhe. Hinzu kamen freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen wie z.B. mit der Markgräfinwitwe Sybilla Augusta von Baden oder dem Fürstbischof von Speyer, Kardinal Damian Hugo von Schönborn, dem ersten Bauherrn von Schloss Bruchsal, dessen Nachfolger Franz Christoph von Hutten die nach dem Würzburger Residenzbau frei gewordenen Künstler zum Teil übernommen hatte. In der Ära der „Goldenen Jahre“ der Schönborns erschufen diese mit ihren fürstbischöflichen Residenzen Würzburg und Bamberg, als auch mit dem Ausbau ihres Privatschlosses in Pommersfelden Brennpunkte höchster künstlerischer Schaffenskraft des deutschen Barock und Rokoko.
So wird wohl auch unser, seiner Entstehung nach eigentlich mainfränkisches Möbel, hinsichtlich dieser geschichtlichen Hintergründe und seines Auftraggebers Joseph Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen wegen, in Hechingen, im Süden des heutigen Baden-Württembergs, entstanden sein, auch wenn der Ebenist selber aus dem mainfränkischen Raum stammte bzw. Form- und Stilelemente dieser kulturreichen und damals trendsetzenden Region realisierte.


Die schwäbischen und die
brandenburgisch-preussischen Hohenzollern


Herrschaftlichkeit spricht aus dem Möbel, was durch seine fürstliche Herkunft nur noch bestätigt wird.

Dieses Münzkabinett stammt, was auch dem Wappen auf der Tabernakeltür zu entnehmen ist, aus dem Besitz des Fürstentums Hohenzollern-Hechingen, das neben der Linie Hohenzollern-Sigmaringen den schwäbischen Zweig eines der bedeutendsten und mächtigsten Fürstengeschlechter Deutschlands, der Hohenzollern repräsentiert. Das Haus Hohenzollern, 1061 erstmals erwähnt, zählt zu den ältesten und bedeutendsten schwäbischen Hochadelsgeschlechtern. Den Kern des Herrschaftsbereiches der damaligen Grafen von Zollern bildete die namensgebende Burg bei Hechingen. Nach der Belehnung mit der Burgherrschaft Nürnberg entstand um 1214 eine fränkische, burggräfliche Linie, aus der 1415 die Markgrafen von Brandenburg und später die brandenburgisch-preussische Linie mit den (ab 1701) preussischen Königen wie beispielsweise dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen, sowie ab 1871 bis 1918 schließlich die Deutschen Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. hervorgingen.
Die 1576 durch Teilung entstandenen Linien Haigerloch (bereits 1634 wieder erloschen), Hechingen und Sigmaringen der schwäbischen Hohenzollern wurden 1623 in den Reichsfürstenstand erhoben. Die nunmehrigen Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und von Hohenzollern-Sigmaringen errangen 1806 volle Souveränität in ihren Fürstentümern, die sie 1850 dann an das stammverwandte preussische Königshaus abtraten. Nach dem Aussterben der Linie Hohenzollern-Hechingen im Mannesstamm 1869 nahmen die Angehörigen der Sigmaringer Linie den Titel Fürst oder Prinz bzw. Prinzessin von Hohenzollern ohne weiteren Zusatz an. Die historische Bedeutung und die Wirkkraft der Stammverwandtschaft des Hauses Preussen und des Fürstlichen Hauses Hohenzollern haben in dem gemeinsamen Besitz an der Stammburg Hohenzollern in Hechingen ihren signifikanten Ausdruck gefunden.

Das Wappen weist in Diagonalstellung den gevierteilten Zollernschild, sowie das Herzschild mit den gekreuzten Erbkämmererstäben auf, die nach 1806 jedoch obsolet geworden und deshalb nur vorher im hohenzollerischen Wappen vorzufinden waren. Das Erbkämmereramt war früher ein festes Erbamt bei Hofe gewesen, das später nur noch als Ehrentitel verbunden mit bestimmten Hofdiensten wie z.B. der Anwesenheit bei Krönungen diente. Auch der Hermelinmantel, ein Bestandteil, welches nur Fürsten oder Königen vorbehalten war, umschließt das Wappen als Zeichen der hohen Herrschaftlichkeit des Auftraggebers unseres Möbels


Von den hohenzollerischen Fürsten, dem König und Bismarck -
Zur Besitzfolge unseres Möbels


Der lange und ereignisreiche Weg durch die deutsche Geschichte, den unser Schrank durchlaufen hat, war maßgeblich von den hohenzollerischen Fürsten Hechingens geprägt, in deren Erb- bzw. Regentenfolge unser Möbel immer wieder weitergegeben wurde. Während seiner Zeit unter diesem Hochadel sollte es nicht nur den Absolutismus, unter dem es ja noch entstanden war, gehen sehen, sondern auch die kulturellen Höhepunkte, wie z.B. unter Friedrich Wilhelm Konstantin, dem letzten Hechinger Fürstregenten und Kunstliebhaber, miterleben, bis es nach der Abtretung des Fürstentums an den preussischen König endgültig seine Heimat verlassen und später in Stuttgart, vielleicht auch Berlin und schließlich auf Schloss Coucy-lès-Eppes in Frankreich seine Reise vorerst beenden sollte.

Der Auftraggeber und Erstbesitzer ist unserem Wappen nach Fürst Joseph Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen gewesen, der von 1717 bis 1798 lebte und ab 1750 regierender Fürst von Hohenzollern-Hechingen war, bis ihn nach seinem Tod 1798, da er keine männlichen Nachkommen hatte, sein Neffe Hermann Friedrich Otto ablöste.
Joseph Friedrich wohnte zu Lebzeiten im Schloss zu Hechingen, in der ehemaligen Hauptstadt des Fürstentums Hohenzollern-Hechingen, wo unser Möbel wohl auch einem der Räume vor rund 250 Jahren herrschaftlichen Glanz verliehen haben muss.
1750 heiratete Joseph Wilhelm seine erste Frau, die Erbtochter des Fürsten Folch von Cardona, die drei Monate später starb und ihm das gesamte Vermögen von Cardona hinterließ. 1751 ging er eine zweite Ehe mit der Gräfin Maria-Theresia von Waldburg-Zeil ein, aus der sechs Kinder hervorgingen, von denen allerdings nur die jüngste Tochter das Kindesalter überlebte.
Das Hofleben, die Jagd, das Reisen, sowie das Repräsentative machte die Passion Joseph Wilhelms aus. Mit seinem Hofmarschall Friedrich Wilhelm von Steuben, dem späteren Generalinspektor und Organisator der amerikanischen Armee unter George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, lebte er vor allem das Reisen aus. Als aufgeklärter Landesvater legte er später Mustergüter an, führte die Schulpflicht ein und erwies sich als tolerant gegenüber Protestanten und Juden. Seine repräsentative Ader manifestierte sich in der Erbauung der neuen Stiftskirche in Hechingen.


                           

                                                         Hechingen mit Schloss, 18. Jahrhundert


Sein Nachfolger und somit auch nächster Besitzer unseres Münzschrankes Hermann Friedrich Otto von Hohenzollern-Hechingen war bereits mit den Verhältnissen des Landes vertraut, als er im April 1798 die Regierung übernahm. Er war Reichs-Generalfeldmarschall-Leutnant und preussischer Generalleutnant. Für die Verschönerung seines Fürstentums Hechingen, das ihm sehr am Herzen lag, wendete er viele Gelder auf. Seine drei Ehen ging er mit der Gräfin Luise von Merode, Marquise von Westerlo, der niederländischen Prinzessin de Gavre, Marquise d´Aysseau und mit der Gräfin Maria Antonia von Waldburg-Zeil-Wurzach ein. Hermann war ein sehr vigilanter Regent, der z.B. den Untertanenkonflikt in seinen Landgemeinden in kurzer Zeit beilegte. Er liebte ebenso, nach Art des Zeitgeistes, die Zurückgezogenheit in der Natur, was er in seinem Schlösschen Friedrichsthal verwirklichte. Er war, bevor er am 2. November 1810 verstarb, der letzte Patriarch, unter dem der kleinfürstliche Absolutismus seinen letzten Höhepunkt erreichte.

Daraufhin übernahm Friedrich Hermann Otto von Hohenzollern-Hechingen (1776-1838), Sohn aus zweiter Ehe mit der Prinzessin de Gavre, der wegen des schlechten Gesundheitszustands des Vaters schon früh in die Regierungsgeschäfte hinein wachsen musste, das Fürstenamt bis 1838 und wurde somit auch neuer Besitzer des Schrankes, der sicher auch ihm gute Dienste erwies.
Schon in jungen Jahren hatte er als Erbprinz für das Fürstentum schwierige diplomatische Verhandlungen geführt. 1801 schickte ihn sein Vater nach Paris, um Ersatz für die verlorenen Besitzungen in den Niederlanden auszuhandeln, wo er Bekanntschaft mit dem damaligen Konsul Napoléon Bonaparte und dessen Gemahlin Joséphine de Beauharnais, sowie dem französischen Außenminister Talleyrand machte. Den Erfolg dieser Frankreichreise zeigten die Klöster Stetten, St. Luzen und Rangendingen, sowie die Herrschaft Hirschlatt, die als Ersatzgüter für die niederländischen Besitzungen an das Fürstentum übermittelt wurden.
Nach dem Beitritt des Fürstentums zum Rheinbund 1806 kämpfte der Erbprinz als Offizier für Napoléon. Auf dem Russlandfeldzug zog er sich später schwere Kriegsverletzungen zu, von denen er sich nie wieder ganz erholen konnte.
Gerade noch rechtzeitig konnte er sich nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom Rheinbund lossagen und auf die Seite der Alliierten wechseln. Auf dem Wiener Kongress 1815 stand das Fürstentum damit auf der Siegerseite und erhielt von Frankreich Reparationszahlungen, die der Fürst zum Bau des Neuen Schlosses in Hechingen verwendete. Hohenzollern-Hechingen trat danach auch dem Deutschen Bund bei.
1800 war er die Ehe mit Luise Pauline Maria Biron Prinzessin von Schlesien-Sagan eingegangen. Mit ihrem gemeinsamen Sohn, Friedrich Wilhelm II. Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, dem letzten Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, sollte der Hechinger Zweig der Hohenzollern 1869 letztendlich aussterben.
In seinen letzten Jahren lebte der alte Fürst im Schloss Lindich vor den Toren der Stadt, wo er Mitglieder des schwäbischen Dichterkreises wie Ludwig Uhland oder Justinius Kerner empfing. Bis zu seinem Tod galt er als „höchst einfach in seiner ganzen Lebensweise, von ausgezeichneter Humanität und hoher wissenschaftlicher Bildung“.

1826 heiratete Friedrich Wilhelm Konstantin Hermann von Hohenzollern-Hechingen, der wegen der Kränklichkeit seines Vaters bereits ab 1834 die Regierungsgeschäfte leitete und ab 1838 die Regierung übernahm, die warmherzige Eugénie de Beauharnais, die jedoch bereits 1847 verstarb. Seit 1838 war er der Fürst von Hohenzollern-Hechingen und nach dem Tod seiner Mutterschwester 1842 auch der Herzog von Sagan. Unter ihm erlebte Hechingen bis 1849 eine Blütezeit, die es zu einem Kulturzentrum Süddeutschlands werden ließ, was vor allem Konstantins Liebe zur Musik zu verdanken war. Das Fürstenpaar empfing hohe Persönlichkeiten und entfaltete eine rege Bautätigkeit des Klassizismus.
Wie auch die mit ihm verwandte Linie Hohenzollern-Sigmaringen entsagte er infolge der Unruhen von 1848 in einer Übereinkunft am 7. Dezember 1849 der Regierung und vermachte, ausschließlich der Rechte eines souveränen Fürsten, sein gesamtes Fürstentum dem Oberhaupt des hohenzollerischen Hauses, dem König von Preussen, gegen eine jährliche Leibrente von 10.000 Thalern. Seitdem lebte er mit seiner zweiten Gemahlin Amalie Schenk von Geyern, die vom preussischen König zur Gräfin von Rothenburg erhoben wurde, bis an sein Lebensende 1869 auf seinen Besitzungen in Löwenberg in Schlesien, wo er sich ganz der Musik widmete und als Mäzen maßgeblich an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins beteiligt war. Da seine Kinder mit der Gräfin von Rothenburg als nicht standesgemäß angesehenen wurden und ihm keine weiteren erbberechtigten Nachkommen zuteil geworden sind, starb die Linie Hohenzollern-Hechingen mit seinem Tod 1869 aus.

Mit denen an den preussischen König Friedrich Wilhelm IV., bzw. ab 1861 an dessen Bruder und Nachfolger, sowie späteren Kaiser Wilhelm I. gefallenen Besitzungen gelangte der Münzschrank in die Hände Fürst von Bismarcks, damals (ab 1862) noch Ministerpräsident und somit Verwaltungsoberhaupt preussischen Eigentums, zu dem nun auch das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen zählte. Bismarck, der selbst kurzzeitig Botschafter am Hof von Napoleon III. in Paris gewesen war, machte das Möbel dem Grafen von St. Vallier, dem späteren französischen Botschafter in Berlin, während seiner Zeit als französischer Gesandter in Stuttgart (1868-1870) und im Zuge der außerordentlichen diplomatischen Bemühungen um deutsch-französische Beziehungen des Grafen, sowie der großen Wertschätzung, die dieser unter den deutschen Befehlshabern erfuhr, zum Geschenk.
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 1. April 1815 in Schönhausen, heute Sachsen-Anhalt, geboren und starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg. Er gilt als eine der politischen Hauptfiguren bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 als einheitlicher deutscher Nationalstaat und
wird als der eigentliche Reichsgründer betrachtet. Auch als „Eiserner Kanzler“ bekannt, war er der erste im Amt des gesamtdeutschen Reichskanzlers im neu gegründeten Reich. Zuvor war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, sowie Ministerpräsident und Außenminister von Preussen gewesen. Bismarck hielt sehr viel vom Grafen von St. Vallier, was sich in seinem großen Vertrauen und seiner freundschaftlichen Beziehung ihm gegenüber zeigte. So sollte unser Münzschrank Ausdruck dieses Vertrauens sein und eine hohen Ehre für den Beschenkten repräsentieren.

Der Graf von St. Vallier, auch Charles Raymond de la Croix de Chevrière, geboren am 12. September 1833 und gestorben am 4. Februar 1886 auf Schloss Coucy-lès-Eppes (Aisne), trat mit 20 Jahren in die Diplomatie ein und erhielt früh sehr wichtige Funktionen. Er sollte zudem eine entscheidende Rolle bei der deutsch-französischen Wiederannäherung nach den Kriegsjahren spielen. 1859 trat er dem Kabinett des Außenministers Graf von Walewski bei, 1860 wurde er zum Sekretär der französischen Botschaft in Konstantinopel ernannt. 1868 wurde er mit einer Mission an den Württembergischen Hof in Stuttgart berufen, wo er dem Außenminister de Grammont die feindlichen Tendenzen der preussischen Verbündeten gegen Frankreich aufzeigte und ihn energisch von einem übereilten Krieg abriet, was Grammont jedoch als ungerechte Lüge zurückwies. Seine Weitsicht wurde klar, als der Krieg gegen Frankreich am 19. Juli 1870 begann. Nach dem Frieden im Mai 1871 wurde er Generalkommissar bei der deutschen Okkupationsarmee. Im Dezember 1877 wurde er zum Botschafter der französischen Republik in Berlin ernannt, wo ihm schnell Vertrauen entgegengebracht wurde. Mit seinem Taktgefühl erwies er sich als hoher Diplomat, was ihm nicht nur mit Hochachtung durch das Geschenk Bismarcks, sondern später auch mit einer Statue des preußischen Königs als Staatsgeschenk und einem großen Platz in der Geschichte entlohnt wurde.


Hinweise bezüglich des Besitzes des Schrankes auf der Rückseite des Möbels in Form von Inventaretiketten vom Schloss Hechingen, sowie ein handschriftlicher Zettel, worauf der Name „SA Vallier / Französischer Gesandter in Stuttgart“ vermerkt ist.
 

 

 

 

Über Erbfolge ist unser Möbel dann über ein Jahrhundert lang in Besitz der Grafen von Saint Vallier auf Schloss Coucy-lès-Eppes in Aisne verblieben, bis es unlängst vom Enkel in dritter Generation des Diplomaten und Gesandten Graf von Saint Vallier zum Verkauf angeboten wurde und so nach langer Reise nach Deutschland und sogar nach „Preussen“ zurückgekehrt ist.

Durch besagten Enkel ist auch publik geworden, dass der Münzschrank eben diese anerkennende Geste und Ehrung von Seiten Bismarcks an seinen Großvater dritten Grades gewesen ist. Interessant ist hier außerdem zu erwähnen, dass dieser Enkel heute wiederum als französischer Botschafter, jedoch in China fungiert.

Die außerordentliche Geschichtsträchtigkeit, die einzigartige Form und die imposante Gesamterscheinung dieses Münzschrankes lassen ihn zu einer besonders wertvollen Kostbarkeit eines jeden Hauses werden. Nur wenige, meist die besonderen Exemplare, wie auch unser Möbel, blieben vom Wandel der Zeit, mit seinen immer neueren und moderneren Stilepochen unberührt und behielten selbst in könig-lichen und fürstlichen Räumen ihren festen Platz, ohne den jeweiligen Zeitgeist weichen zu müssen. So stellt dieses Exponat eines der wenigen kulturellen Güter deutscher Geschichte dar, das heute auf dem Kunstmarkt noch frei zu erwerben ist.


Literatur:

Prof. H. Kreisel/
Dr. G. Himmelheber: „Die Kunst des deutschen Möbels Bd. 2, München 1983
Daudet, E.: „La mission du comte de Saint-Vallier“, Paris 1918



Preis auf Anfrage


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